"Lucky Lady VII" - die Karriere einer fliegenden Legende.

Eine North American P-51D Mustang muss man heutzutage einem Aviatik-Enthusiasten nicht anpreisen, sie ist über alle Grenzen hinweg als eines der besten kolbenmotorgetriebenen Jagdflugzeugen ihrer Zeit bekannt.

Von 2009-2016 war eine solche P-51 unter dem Namen “Lucky Lady VII“ im südbadischen Bremgarten bei Max-Alpha-Aviation stationiert. Eigentümer und Pilot Christoph Nöthiger startete von dort regelmäßig zu Rundflügen über dem Schwarzwald und Airshow-Auftritten in ganz Europa.

Als P-51D-25-NA verließ Nöthiger´s Maschine Ende 1944 mit der Seriennummer 44-72773 die Produktion bei North American Aviation in Inglewood, Kalifornien. Nachdem die Maschine im Februar 1945 an die United States Army Air Force (USAAF) ausgeliefert wurde, erfolgte per Schiff die Überführung nach Süditalien. Da keine Dokumente oder Informationen von einer Überstellung an eine Jagdstaffel bekannt sind, lässt sich heute leider nicht mehr nachvollziehen, ob die Maschine in den letzten Wochen des zweiten Weltkriegs tatsächlich noch zum Einsatz kam.

Bei Kriegsende als überzählig erklärt, wurde sie am 28. August 1945 wieder in die USA zurückgeschickt, um dort in einem Depot eingelagert zu werden. Sechs Jahre später wurde sie am 9. September 1951 aus ihrem Dornröschenschlaf geholt und beim 131st Fighter-Bomber Wing auf der George AFB in Victorville in den aktiven Dienst aufgenommen. Im Februar 1954 wurde sie der 182nd Fighter Squadron der Texas Air National Guard (ANG) übergeben und auf der Brooks AFB in San Antonio stationiert. Nach fünf Jahren weiterem Einsatz in Nicaragua folgte 1963 die Außerdienststellung. Will Martin aus Illinois kaufte das Flugzeug für 1.500 Dollar, ließ es unter der Kennung “N12066“ zu und spendierte dem Flieger eine zivile Lackierung in Gelb mit schwarzen Zierstreifen. Die Zelle wies zu diesem Zeitpunkt eine Betriebszeit von 805:25 Stunden auf, während der Motor mit der Seriennummer V329308 ca. 293 Stunden auf dem Zähler hatte.

Nach knapp einem halben Dutzend Besitzerwechseln in weniger als zwei Jahren, gelangte N12066 am 15. Juni 1965 in den Besitz von I.N. Burchinal Jr., Eigentümer des Flying Tigers Air Museum in Texas. 1970 begann Burchinal mit seiner Mustang an Airshows teilzunehmen. Dazu erhielt sie für einige Jahre die Farbgebung der „Lou IV“ der 375th Fighter Squadron, 361st Fighter Group.

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Nachdem die Mustang 1987 vom Engländer Charles Church erworben worden war, wurde die Maschine 1989 zum Filmstar, als sie als eine von insgesamt sieben P-51 im Hollywood-Film „Memphis Belle“ mitwirkte. Für den Film erhielt das Flugzeug eine olivgrüne und graue Lackierung. Als Charles Church bei einem Absturz mit seiner Spitfire ums Leben kam, wechselte die Mustang ein weiteres Mal den Besitzer und wurde 1990 von Paul J. Morgan erworben. Nachdem Paul Morgan bei einem Landeunfall mit einer SeaFury ebenfalls tragisch verunglückte, übergab seine Ehefrau Elizabeth die zu dieser Zeit als G-SUSY registrierte Mustang für einige Jahre an ein Museum in England. Die fliegerische Laufbahn der 44-72773 schien damit beendet.

Im März 2005 erwarb die Real Airplane Company besagte Mustang, ließ sie als G-CDHI registrieren und brachte sie wieder in die Luft. 2007 wurde ihr unter der Bezeichnung „Darlin‘ Ann“ ein neuer Rufname spendiert, noch im gleichen Jahr wurde sie dann an die MeierMotors GmbH nach Bremgarten verkauft. Im Verlauf des Jahres 2008 wurde sie – nach der D-FBUN von Stefan Bungarten -  als zweite Mustang unter dem Kennzeichen D-FPSI in Deutschland zugelassen. Da sich das „S“ und eine „5“ optisch ähneln, erhielt man die Erlaubnis das Kennzeichen als D-FP51 aufzutragen. Im Zuge intensiver Wartungsarbeiten wurde die Mustang von sämtlicher Farbe befreit und in Naturmetall auf Hochglanz poliert. Dabei wurde bewusst darauf geachtet, dass historische Kratzer als Spuren der Geschichte erhalten blieben. So sind z.B. hinter den Hülsenauswurföffnungen auf der Flügelunterseite immer noch Kratzer und kleine Dellen zu sehen, die aus der aktiven Zeit bei US Air Force stammen und von Patronenhülsen der Browning Maschinengewehre verursacht wurden, die beim Schiessen nach dem Auswurf den Flügel touchierten.

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2009 konnte sich Christoph Nöthiger mit dem Erwerb der D-FPSI und einer professionellen Ausbildung unter der Leitung von Lee Lauderback bei Stallion 51 in Florida den Traum einer eigenen P-51 Mustang erfüllen. Selbstverständlich wollte er seiner Mustang eine neue Identität nach historischem Vorbild geben. Diese sollte aber bis dahin noch nicht auf einer anderen fliegenden Mustang existieren und aus einem Doppelnamen bestehen. Die Suche und Recherche nach passenden Identitäten begann umgehend, auf Anregung von Ehefrau Regula erhielt die D-FPSI schliesslich die Farben und den Namen der "Lucky Lady VII".

Unsere persönliche Geschichte und zu Christoph und seiner Mustang begann im Jahr 2012 mit seinem spontanen Besuch der Flugtage in Lachen-Speyerdorf. An diesem Wochenende waren wir für Fotoflüge vor Ort und Christoph stimme spontan zu, sich – nach einem ausführlichen Briefing – auf dem Rückweg nach Bremgarten für ein paar Air-to-Air Bilder Zeit zu nehmen. Daraus entwickelte sich ein regelmäßiger Kontakt und im Laufe der Jahre eine tolle Freundschaft, in welcher Christoph uns am "Airlebnis Mustang" immer wieder teilhaben ließ. In gemeinsamer Arbeit wurden die Fotoarbeiten zur Freude beider Parteien immer weiter perfektioniert.

2014 erhielt die P-51 anlässlich der AIR14 in Payerne für einen begrenzten Zeitraum einen Sonderanstrich in Schweizer Farben. Keine Frage, dass es auch dieses Farbkleid mit Fotos zu dokumentieren galt! Ins Auge gefasst wurde die Rückreise aus Payerne - und pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt tauchte die als “J-901“ lackierte Mustang am Horizont auf. War die P-51 neben dem Fotoflugzeug solo schon klasse, konnten wir mit einer anschließenden Formation das Ganze sogar toppen. Paul Ruppeiner vom "Swiss Hunter Team"gesellte sich mit dem in Patrouille Suisse-Farben lackierten Hawker Hunter Mk.58 dazu. Eine solche Formation dürfte es vorher noch nie gegeben haben!

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Anfang 2016 wurde das Flugzeug an einen neuen Eigentümer übergeben. Weiterhin als D-FPSI registriert, präsentiert sich die P51 ihrem Besitzer nun als "Rednoser" in neuen Farben als “See me later“, angelehnt an die Maschine von 1.Lt. Wilbur Eaton von der 4th Fighter Group.

Damit schließt sich dieses Kapitel, wir bedanken uns ganz herzlich bei Christoph Nöthiger und wünschen ihm für seine neuen Projekte allzeit guten Flug!