"Louisiana Kid" - die Mustang vom Degerfeld

Der 26.02.2013 wird dem Team von HeinzAero - beheimatet am Flugplatz Albstadt-Degerfeld – sicher lange in guter Erinnerung bleiben. An jenem Tag traf die sehnlich erwartete North American P-51D Mustang “Louisiana Kid“ sicher in Albstadt ein. Alsbald begann man mit der Montage des schnellen Jägers.

HeinzAero dürfte einigen Luftfahrt-Enthusiasten bereits ein Begriff sein. Dahinter steht ein sympathischer Familienbetrieb mit viel Herzblut und Enthusiasmus für die Fliegerei. “Chef“ Wilhelm Heinz – der im Berufsleben Kapitän bei AirBerlin ist – präsentierte 2005 der Öffentlichkeit die in Albstadt in mühevoller Kleinarbeit top restaurierte Messerschmitt Bf109 G4 der “Me Air Company“, kurz MAC. Im gleichen Jahr präsentierte er das Flugzeug auf zahlreichen Veranstaltungen. Mit Übernahme der Messerschmitt durch die “EADS Heritage Flight“ in Manching widmete man sich in Albstadt neuen Projekten, u.a. wurde die AT-6 SuperSix von Vereinskollege Guido Voss fertiggestellt sowie Extra 300 und Piper Seneca (welche uns bereits mehrfach als fliegende Fotoplattform für Air-to-Air Aufnahmen zur Verfügung stand) regelmäßig geflogen. Ende 2012 konnte HeinzAero nach ca. fünfjähriger Suche eine in Baton Rouge stationierte North American P-51D Mustang von Don Weber erwerben (die heute in den Niederlanden stationierte North American B-25 Mitchell der “KLU Historische Vlucht“ gehörte einst ebenfalls zu Weber´s Sammlung).

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Die Albstädter Mustang mit der Seriennummer 44-73254 verließ Ende 1944 die Produktion bei North American Aviation in Inglewood, Kalifornien. Danach verliert sich leider die Spur des Flugzeugs. Daher geht man heute davon aus, dass sie nicht mehr im Kriegseinsatz über Europa aktiv war. 1947 erfolgte die Lieferung an die kanadische Luftwaffe, wo sie als “RCAF 9571“ in Dienst gestellt wurde. Danach verliert sich für ca. zehn Jahre ein weiteres Mal die Spur. James Defuria erwarb im Februar 1957 die P-51 und ließ sie unter der Kennung N6328T zivil zu. Diese trägt sie bis heute!

1960 erfolgte der Verkauf an Aero Enterprises, bereits im Folgejahr erwarb Clifford Pettit das Flugzeug. Am 31.05.1963 wurde die Mustang bei einem Unfall in Crumstown stark beschädigt. Der Wiederaufbau dauerte mehrere Jahre und wurde 1974 durch Don Weber übernommen. Weitere vier Jahre später konnte die Restaurierung abgeschlossen werden, unter der Bezeichnung “Buster“ erfolgte der erneute Erstflug. Unter P-51-Besitzern nicht ungewöhnlich, verleiht man dem Flugzeug vor dem beabsichtigten Verkauf gerne eine neue Identität, so auch in diesem Fall: Als “Yankee Trader“ wurde Weber´s Mustang offeriert und Ende 2012 durch HeinzAero erworben. Wenige Wochen später reiste ein vierköpfiges Team -bestehend aus den drei Söhnen Jochen, Frank und Andreas Heinz sowie Gerhard Hibbeler - in die USA um das Flugzeug fachmännisch zu demontieren und für den Seetransport vorzubereiten.

Allmählich wurde der Erwerb und die bevorstehende Ankunft einer weiteren P-51D in der Fangemeinde publik und man verfolgte gespannt den Transport auf der MSC Stella, welcher dank modernem GPS-Tracking live beobachtet werden konnte. Nach ca. zweimonatiger Montage und Wartung erfolgte am 01.05.2013 der Erstflug in Deutschland, alsbald konnte dann auch die Teilnahme am Oldtimertreffen auf der Hahnweide vermeldet werden.

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Da N6328T gut 40 Jahre in Baton Rouge – Bundesstaat Louisiana – residierte, spendierte Heinz seiner Mustang den Rufnamen “Louisiana Kid“. Seitdem ist sie regelmäßig (ca. 30-40 Stunden pro Jahr) am Himmel über Albstadt zu sehen ist. Wie fast alle heute fliegenden Mustangs, verfügt auch “Louisiana Kid“ über einen nachgerüsteten Passagiersitz, sodass die Möglichkeit eines Mitflugs besteht.

Während unserer Veranstaltung "Degerfeld-Photoflights" im August 2015 konnten wir Wilhelm und seine Mustang bei strahlendem Sonnenschein Air-to-Air fotografieren. Marc Mathis gesellte sich am Steuer der Curtiss P-40N Warhawk "Little Jeanne" dazu, so dass wir nach dem Soloprogramm auch einige tolle Formations-Aufnahmen der beiden Jagdflugzeuge machen konnten.

Im Laufe der Jahre durften wir mehrfach auf dem begehrten Rücksitz platznehmen, jeder einzelne Flug war ein grandioses Abenteuer. Bereits der Start des gewaltigen Rolls-Royce Merlin V12 Reihenmotors sorgt für Gänsehaut, welche durch jede einzelne Flugminute gesteigert wird. Dabei geht es weniger um die beachtlichen Flugleistungen, die theoretisch möglich sind. Der Mix aus Geruch, Aussicht, Geräuschkulisse und Geschwindigkeit bekommt man wohl nur in einem alten Jagdflugzeug derart präsentiert!

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Um den kostenintensiven Betrieb eines solchen Flugzeug unterstützen zu können, bietet das Team von HeinzAero auf ausgewählten Airshows und im eigenen Onlineshop Fanartikel wie T-Shirts, Kappen und Schlüsselanhänger zu fairen Preisen an. Ein Blick auf die Internetseite von HeinzAero lohnt sich also in jedem Fall!

Wir möchten uns bei Wilhelm und seiner Familie für die Gastfreundschaft auf dem Degerfeld, der stets professionellen Foto-Fliegerei sowie den tollen Rundflügen bedanken. Wir freuen uns, Euch auch zukünftig auf dem Weg der “Louisiana Kid“ begleiten zu dürfen!